Der Kirschgarten

Inhalt

Sie sind am Ende, alle Kredite aufgebraucht, und selbst das letzte Erbteil steht vor der Insolvenz. Doch so ein Ende wäre eine Tragödie, wenn ihre Protagonisten einen solchen Fakt nicht auf jede erdenkliche Weise zu verschleiern oder zu verträumen in der Lage wären. Und schon wird aus einer Tragödie eine Komödie, die herrlich absurd, bis ins Heute erzählenswert und überlebensfähig ist. Denn so ist das Leben, »so sind wir« und die Kunst der so lustvollen, wie gefährlichen Verdrängung, die Tschechow in seinem letzten Bühnenstück beschreibt, ist uns nicht allein deshalb auch heute noch sehr nah. Alles beginnt mit einem Abschied, der eigentlich ein Wiedersehen ist. Ljuba Ranjewskaja kehrt mit ihrem Bruder Gajew auf ihr hoch verschuldetes Landgut, das samt legendärem Kirschgarten vor der Zwangsversteigerung steht, zurück. Die einst heile Welt zeigt längst schwere Risse und der einzige Weg, zu retten, was zu retten wäre, führt über die Abholzung des Kirschgartens, der sich als Bauland höchst lukrativ verkaufen ließe. Der junge Lopachin, Spross jener Väter, die noch als Leibeigene auf dem Gut wie Sklaven dienten, ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann und bietet seine Hilfe bei der Rettung des Gutes. Doch was sind Träume, die im idealen Gestern schwelgen, gegen eine Realität, die sich zur Utopie aufschwingt? Und so erntet Lopachins Weg des neuen Wirtschaftens ohne Blick zurück nicht allein bei der Ranjewskaja nur ein müdes Lächeln. Denn was ist die stilvoll verschwenderische Lässigkeit von jenen, die längst nichts mehr haben, gegen die verkrampft kalte Pragmatik moderner Geschäftstüchtigkeit? So geht also lustvoll und tränenreich zugleich unter, was mit Stil unterzugehen trachtet und sich dennoch in den nächsten Traum zu retten vermag

×

 

Comments are closed.